Presse


  Donnerstag, Juli 24, 2014

Das Unbewusste - Hier wirds Ereignis

Doppelausstellung der Künstlerin Rita De Muynck in Überlingen

Wölfe springen einen an, schwarze Todesvögel stoßen herunter– wild sind die Träume in Rita De Muyncks expressiver, explosiver Bildwelt und doch keine Alpträume. Der Wolf kann Bedrohung und Verheißung zugleich sein. Auch der „Himmel der Kühe“ ist erst nach der Massenschlachtung im BSE-Fieber erreicht.

Gleich zwei Ausstellungen führen in Überlingen in die archaischen Seelenräume der in Flandern geborenen Künstlerin. Die Idee zur Doppelausstellung mit rund 200 Exponaten kam von Kulturamtsleiter Michael Brunner, der in der Städtischen Galerie unter dem Titel „Unter die Haut“ Bilder und einzelne Objekte prähistorischen Exponaten aus Afrika und Polynesien gegenüberstellt, die Rita De Muynck zusammen mit ihrem Mann Rüdiger Ullrich gesammelt hat. Parallel dazu zeigt Michael Walz bei „walz kunsthandel“ kraftvolle Schlüsselwerke aus dem Rotkäppchen-Märchenzyklus sowie sogenannte Tages- und Nachtzeichnungen, die unmittelbar nach dem Erwachen entstehen und einen Traum der Nacht festhalten, mystische wie humorvolle.

Zum Humus zurück

Das Unbewusste hat Rita De Muynck schon immer interessiert. Vor ihrem Kunststudium hat sie in Psychologie promoviert. Sie spürt den Archetypen nach. Um sie zu ergründen, versetzt sie sich in Trance. Dieses nicht ästhetisierte „Zum Humus zurück“ ist für sie der Grundgedanke jedes Expressionismus. Eine 20 Meter lange Wandinstallation in der Städtischen Galerie versinnbildlicht den Grundgedanken, dass alles und alle im All zusammenhängen, einander begegnen, dass die Evolution Arten zusammenführt, um Neues zu schaffen. So stellt sie Initiationsmasken aus dem Kongo neben eigene Bilder von Masken: Gasmasken ebenso wie Burkas oder NS-Uniformen.

In ihrem Triptychon „Der Himmel der Kühe“ geht sie Grausamkeiten an Rindern nach, ihre „Wutkuh“ sucht nach dem gekeulten Kälbchen. Mit „kleinen Kreaturen“ bevölkert sie den ersten Raum. Hier fallen vor allem die „Fatschenkinder“ ins Auge, straff gewickelte Kleinkinder, die so an jeder Fortbewegung gehindert wurden und noch immer werden. Die ihrigen sind fröhlich, denn sie wickeln sich aus, befreien sich, schweben schließlich als luftige Drahtobjekte an der Decke. Sie sind erlöst wie die Märchen-Traumfiguren bei Walz. Denn Rita De Muyncks „Rotkapp“ ist stark, ist wiedergeboren durch die Begegnung mit dem Wolf.

Zu den Ausstellungen ist bei Hirmer der großformatige, reich bebilderte und sehr informative Band „Rita De Muynck – Unter die Haut“ erschienen.

Christl Voith, Schwäbische Zeitung. Kultur, 24. Juli, 2014

  Samstag, Februar 1, 2014

"Wenn sie mich packt"

Bilder, die unter die Haut gehen

"Die Bildfläche ist nicht nur Malgrund, sondern Kampffeld und Tanzboden für das, was die Malerin "Innere Bilder" nennt", schreibt Thomas Zacharias in dem aktuellen Ausstellungskatalog über das Werk der Künstlerin Rita de Muynck. Auf diesem Tanzboden geht es laut und leidenschaftlich, feinfühlig und nachdenklich zu. Es ist ein farbgewaltiger, berührender Tanz, den man nicht vergisst.

Fast ehrfurchtsvoll, still und mit suchendem Blick zur erklärenden Wandtafel: Ausstellungsbesucher lassen sich meist nicht in die Karten schauen, ob ein Kunstwerk sie packt oder nicht - schade, denn Museen sollten keine Weihetempel, sondern Orte der Emotionen sein. Die Kunst der Malerin und Multimediakünstlerin Rita de Muynck macht es dem Betrachter glücklicherweise schwer, Distanz zu wahren, denn sie ist voller mitreißender, suggestiver Kraft. Bilder wie Schluss mit dem Alpenglühn!, Wutkuh oder Requiem erzählen in expressiver Farbigkeit von der Auseinandersetzung mit existentiellen Erfahrungen, von Angst und Lust, von Obsessionen und Trauer. Zeichnungen und Installationen reflektieren humorig und eindringlich die Realität. De Muyncks Kunst ist wild und schrecklich schön.

Anlässlich zweier korrespondierender Ausstellungen in Überlingen ist ein üppig bebilderter Katalog erschien, die zum ersten Mal das umfangreiche Werk der Künstlerin von 1993 bis 2013 versammelt. Neben Essays namhafter Kunsthistoriker über De Muyncks Arbeiten gewährt die Künstlerin durch eigenen Texte und Interviews mit der Herausgeberin Andrea C. Theil sehr persönliche Einblicke in die Entstehung ihrer Kunst und ihrer Gedankenwelt.

Rita De Muynck. Under the Skin - Unter die Haut.

18. Juli - 2. November 2014. Städtische Galerie Überlingen und Walz Kunsthandel, Überlingen

Katalog zur Ausstellung: Hrsg. von Andrea C. Theil inkl. einem Interview mit der Künstlerin. Hirmer Verlag, € 29,90

Fresko - Das Magazin für Kultur- und Kunstgenießer 02/2014 (Autor: um)

  Samstag, März 13, 2004

LEBEN UND STERBEN

Ausstellung von Rita De Muynck in der Heilig-Geist-Kirche

Ungemein beeindruckend, wenngleich beim unvorbereiteten Hinsehen und Hinhören befremdlich ist die Klang & Bild-Installation Requiem der flämischen Künstlerin Rita de Muynck in der Heilig-Geist-Kirche am Roten Tor.

In einem an die Kapelle angrenzenden Raum des ehemaligen Elias-Holl-Baus wird der Besucher konfrontiert mit Bildern, deren Deutung sich nicht sofort erschließt. In ihrer Installation Requiem bebildert de Muynck großformatig Tod, Gewalt und Opfer. Geopferte Kinder grüßen aufrecht und starr vom Bild-Hauptaltar, sind dort wie in südlichen Wandgräbern einzeln in Bilder eingesargt. Allein für sie erklingt das Agnus Dei aus der Mars-Messe der Komponistin Helga Pogatschar, und in diesem Zusammenspiel berühren sich Leiden und Auferstehen, nehmen den namenlos Geopferten das Grauen.

Rita de Muynck, die außer ihrem Kunststudium auch Psychologie und Kommunikation abgeschlossen hat, sieht ihre Bilder in selbstinduzierter Trance, und wenn dies auch an die belgischen Kinderschänder erinnert, so kann dem Augsburger Betrachter auch Brechts Ballade vom Kinderkreuzzug in den Sinn kommen. Rechts und links des Kinderaltars hängen die anderen, in Trance geschauten Erlebnisse der Malerin. Auf keinem fehlt dabei die Darstellung eines Hundes. Rita de Muynck beruft sich hier auf die Tradition der Schamanen, sieht das Tier als Boten, als einen Begleiter oder Nothelfer.

Schwarz, Rot, Grün und Blau sind die dominierenden Acryl- und Ölfarben der Künstlerin. Blau symbolisiert das Empfinden, Rot und Grün spiegeln Kraft. Das Sterben ist eine andere Form von Leben, erklärt de Muynck und verweist auf das Bild Tod meiner MA . Noch umkleidet die Trauernde Dunkel, da verwandelt sich die geliebte Person schon in helles Licht. Die Kernaussage dieser Ausstellung aber bleibt bei den Kindern. Ihnen darf keine Gewalt geschehen, worauf bereits eine fest auf beiden Beinen stehende Kind-Plastik im Eingangsbereich hinweist.

 

 

Augsburger Allgemeine, Nr. 61, Samstag, 13. März 2004 (Autor: sysch)

  Freitag, Oktober 3, 2003

KLEIDER DIE DER SCHNEE VERSCHLUCKT

 

Sonderbare Mode-Ideen und Rotkäppchens Familienaufstellung sind derzeit in den Münchner Galerien zu sehen.

 

Das hermeneutische Spiel mit dem Mythos hier mit dem vom Rotkäppchen und dem anarchischen Wolf wäre ein alter Hut, den sich schon Generationen von Psychoanalytikern aufgesetzt haben, wenn es keine überzeugende künstlerische Form gefunden hätte. Rita de Muynck ist auf drei Etagen der Seidlvilla die contradictio in adjecto gelungen, ein expressionistisches und gleichermaßen konzeptionelles Gesamtkunstwerk zu schaffen. Begleitet von einer eigens komponierten Toncollage, sind Angst und Lust, Verführung und Zerstörung zu alternierenden Kraftfeldern in Form von Zeichnungen, Bildern und Plastiken kondensiert. Die Rollen der Schönen und der Bestie changieren und lösen sich in spannungsgeladenen Bildern auf. Titel wie Singing with the Wolf und Rotkäppchens Familienaufstellung sorgen dafür, dass die schamanistische Glut in der ironischen Waage gehalten wird.

Andreas Kühne, Süddeutsche Zeitung, 1. Oktober 2003

  Donnerstag, September 18, 2003

WEIL DAS WILDE IMMER SCHÖN UND SCHRECKLICH IST

Maheone Honehe: Von der Schlehdorfer Kunstfabrik in die Münchner Seidl-Villa

Rita de Muynck erzählt in einem vielschichtigen Kunstwerk unter anderem die Geschichte von Rotkäppchen und dem bösen Wolf.

(...) Maheone Honehe füllt zur Zeit in der Seidl-Villa in München drei Stockwerke und besteht nicht nur aus Bildern und plastischen Arbeiten, sondern wird ergänzt von einer CD, die die Künstlerin mit einfachen handwerklichen wie elektronischen Mitteln selbst komponiert hat. Die Künstlerin arbeitet figürlich, aber in starker, dynamischer Auflösung der Formen und mit den heftigen, gefühlsstarken Farben des frühen deutschen Expressionismus. Die Farbe wird mit kraftvollen Pinselbewegungen pastos aufgetragen, ein Teil der Arbeiten ist zudem reliefartig strukturiert.

Zudem sind zwei große, bemalte Plastiken in ihre Ausstellung aufgenommen worden. Zum einen die Große Mutter, die die Hoheit einer Priesterin ausstrahlt, jedoch durch eine Verbindung in Höhe des Leibes mit dem Wolf, einem sehr realistisch gesehenen Wolf, vermählt ist.

Zum anderen die Zerfetzung, eine weit übermannshohe Arbeit, eine Säule aus Stücken und Teilen, unter denen sich menschliche Gliedmaßen und der Wolfskopf ausmachen lassen.Die Zerfetzung entspricht der Zerstückelung, einer schamanistischen Vorstellung vom notwendigen Ersterben, ehe die Heilung beginnen kann.

Die Große Mutter, bei de Muynck versehen mit dem dunklen Gesicht der Schwarzen Madonna, und der Wolf können, sehr vereinfachend gesagt, als das männliche und das weibliche Prinzip gesehen werden, die über die Verschmelzung den Schöpfungsakt vollziehen. Alle Figuren, das Rotkäppchen, eine stilisierte Menschenfigur, eingeschlossen, können sich jedoch ineinander verwandeln. Der Wolf entspringt dem Kopf der Großen Mutter, doch trägt sie auch die jungen Wölfe in ihrem Leib. Bis es soweit kommen konnte, musste zunächst die Verführung ihr Werk tun. Der Wolf wirkt auf das Rotkäppchen ein und treibt es zur Ekstase. Es wird ihm nun die Großmutter überlassen und damit beginnt Rotkäppchens Wandlung. Es gerät ins Wasser, die unberechenbare Gefühlwelt, danach hängen die Seelenteile, die auch Teile des Leides sind, an einer Leine, der neuen Ordnung gewärtig. Verführung, Zerstückelung und Paradies sind auch die drei Sätze der zugehörigen Musik überschrieben, in der sich wilde Ober-, Pfeif- und Brummtöne, Geschepper, Glöckchen, Wolfsgeheul und menschliche Stimmen zu akustischen Gemälden verbinden, in denen es alles gibt von der Kakophonie bis zum lyrischen Pianissimo.

In der Kunst von Rita de Muynck ist die Verschmelzung zwischen dem Schönen und dem Wilden unmittelbar da, so Thomas Zacharias in seiner Laudatio. Das Schöne ist ohne das Wilde nicht zu haben.

Das vielgestaltige Werk dürfte in der Gegenwartskunst nur wenige Entsprechungen haben.

Ingrid Zimmermann, Süddeutsche Zeitung, 18. September 2003

  Freitag, Juni 7, 2002

STARKE POLARITÄT ZWISCHEN AGGRESSIV UND LYRISCH

Die Schlehdorfer Künstlerin Rita de Muynck bewegt sich zwischen Schön und Animalisch _ Ihre Bilder entstehen ohne Kopfsteuerung.

Von Westen her noch vor dem Ortsschild Schlehdorf nach rechts.  Ein schmales Teerband zeigt sich, links ein Bauernhof,. dann, nach einer scharfen Biegung, denkt man schon, dass hier die Welt zu Ende sein muss. Aber es ist noch da, das schmucklose hohe weiße Gebäude mit den ladenlosen Sprossenfenstern, die "Kunstfabrik", im 19. Jahrhundert erbaut als Zement- und viel später als Gardinenfabrik genutzt.  Die Kühe vom benachbarten Bauernhof stehen grasend auf der Weide. Ein schwarzweißes Kalb diente als Motiv für eines der großformatigen expressiven Bilder von Rita de Muynck, die immer beides sind, heftig und dennoch von innerer Substanz. Zu sehen sein wird das Bild mit dem Kalb in einer Ausstellung, die am Samstag, 8. Juni, in der Galerie am Eichholz in Murnau eröffnet wird. Motto Les Belles et les Bêtes. In diesem Titel spiegelt sich, was die Malerin als charakteristisch für ihre Arbeit und ihre Lebenssicht bezeichnet: Polarität.

Im verschachtelten Bauch des alten Hauses, in einem großen, sehr hohen, fensterlosen Raum, stehen allerlei Sessel ungeordnet herum und an den Wänden hängen Bilder, die dem Betrachter zunächst den Atem nehmen: Die Wutkuh, mit ihren zornerfüllten Augen, längst vor der BSE-Krise entstanden, der sterbende Mann auf dem Waldboden, auf den der Wolf hinunterschaut, betitelt Requiem, eine Horde farbenblühender Hunde, in Form und Farbe Aggression pur. Es ist sehr nah am Animalischen, hatte Rita de Muynck der ersten Ausstellung dieser Bilder in München als eine Art Leitsatz mitgegeben. Es war jedoch damals nicht nur eine verstörende Bilderschau gewesen, in der zwischen Malerei und Trancezuständen eine Brücke geschlagen wurde, sondern bereits eine Installation unter dem Titel KlangNetze, in der auch noch Musik und Wort hinzukamen. Die CD dazu, eine vielschichtig ineinander greifende akustische Struktur aus einem Wechsel von aggressiv hämmernden und lyrischen Elementen, wird an einem Abend in Murnau zu hören sein. Inzwischen komponiert Rita de Muynck die Musik für Trance-Sitzungen, die der Malerei vorausgehen, selbst.

Die Bilder entstehen im Atelier, einem großen Raum mit vielen Fenstern auf der Rückseite der Fabrik. Direkt dahinter steigt steil der Berg an. Auf einem freien Fleck zwischen den gestapelten Bildern reckt sich eine im Werden begriffene Skulptur. Eine Frauenfigur aus Drahtgitter. Ein Wolf, schon mit Gipsbinden umwickelt, richtet sich vor ihr auf und hechelt ihr seinen Atem ins Gesicht. Da ist es also wieder, das Tier, nun in der Abwandlung Frau und Wolf, ein Urthema, mit dem sich die Künstlerin im Augenblick heftig herumschlägt. Es kommt in meinen neuen Bildern fast immer darauf hinaus, sagt Rita de Muynck, die Große Mutter gebiert den Wolf. Er bricht aus ihrem Leib heraus, ist aber Teil von ihr. Es ist beides in uns, die Große Mutter und der Wolf, das Animalische. Manche Menschen haben allerdings Schwierigkeiten, diese Bilder anzusehen.

Die Wurzeln von de Muyncks Malweise liegen in der Zeit der Maler der Brücke und des Blauen Reiter: Die expressiv verfremdete, auch brutal zupackende Gegenständlichkeit einerseits und andererseits die glühenden Farben, in denen Licht und Dunkelheit sich untrennbar mischen. Diese Bilder werden ohne Kopfsteuerung geboren. Dass es so richtig für sie ist, wird Rita de Muynck auf einer anderen Ebene ihrer Arbeit deutlich: Mit einer kosmopolitisch zusammengesetzten Theatertruppe in Paris hält die gebürtige Flämin engen Kontakt, holt sie auch gelegentlich nach Oberbayern. Zur Zeit wächst ein Stück zum Rotkäppchen, eine archetypische Auseinandersetzung mit dem Grimmschen Märchen um die Große Mutter, das innere Kind und den Wolf.

Vernissage zur Ausstellung "Les Belles et les Bêtes" in der Galerie am Eichholz in Murnau am Samstag, 8. Juni, 15 Uhr. Geöffnet Donnerstag, Freitag, Samstag von 17 bis 19h. Sonderveranstaltung "KlangNetze" am Sonntag, 23. Juni, 18 Uhr.

Ingrid Zimmermann, Süddeutsche Zeitung, Mai 2002

  Donnerstag, Oktober 8, 1998

Multimedia-Schau. Wahrnehmung durch Trance

Rita de Muynck und ihre KlangNetze in der Galerie der Künstler

Ein Orgelkonzert in einer Rokokokirche bringt den Raum mit all seinen Farben und prächrigen Stuckverzierungen zum Klingen. Wir erleben ein Fest der Sinne, weil sich Architektur, Kunst und Musik in einem gazheitlichen Prozeß vereinen. Was Kunst aus einer früheren Zeit so mühelos schafft, muß heute aufwendig konstruiert werden. Rita de Muynck, Hypno-Therapeutin und Malerin, hat für die Galerie der Künstler die multimediale Schau, "KlangNetze" entworfen, die ein sn-sthetisches Erlebnis ermöglchen soll und deshalb nur im Rahmen von Führungen besucht werden kann.

Rita de Muynck, die jahrelang an der Universität einen Lehrauftrag für "Malerei und Erweiterung der Wahrnehmungsfähigkeit durch Trance" hatte, fand die Bildthemen dieser Ausstellung beim Musikhören in Trance. Gemalt wurde allerdings im wachen Zustand. Durch die fertigen Bilder ließ sich dann die Dichterin Alma Larsen zu Texten inspirieren. In der Galerie der Künstler erklingt zu den Bildern die dazugehörige Musik oder der gesprochene Text von Alma Larsen. Das wiederum erzeugt im Besucher neue, eigene Bilder. So wird aus der an sich kleinen Ausstellung mit nur zehn Werken eine große mit einer unbekannten Anzahl.

Rita de Muynck sieht das Projekt als ein Experiment im Rahmen der Erforschung der Bildentstehung und Wahrnehmungserweiterung an. Die verwendete Musik stammt ausschließlich von Komponistinnen, was durch die Zusammenarbeit mit musical femina e. V. bedingt war. Dueser Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, diue Musik von Komponistinnen zu unterstützen und bekannt zu machen. Heuer wird das zehnjärige Bestehen gefeiert.

 

Hanne Weskott. Süddeutsche Zeitung. SZ Extra, Donnerstag, 8.10.1998

 

AUS TRANCE WIRD BILD

Die Künstlerin Rita de Muynck malt mit Hilfe von Hypnose.

Hartnäckige Anhänger der Antiwiesenfarktion versuchen diese Tage, das reichhaltige Münchner Kulturprogramm zu nutzen. Und wenn das 'Oans, zwoa, g'suffa' in weiter Ferne immer noch leicht an der Ohrmuschel kitzelt, dann empfiehlt sich der Gang in eine stille Oase, fernab jeder Banalität.  Die Galerie FORUM NEUE KUNST lockt mit einer ungewöhnlichen Künstlerin: Rita de Muynck. Durch selbstinduzierte, gelenkte Trance kann sie innere Bilder ins Bewußtsein holen, die sie danach im Malprozeß künstlerisch umsetzt, steht da in der Ankündigung. Traumwesen heißt die Ausstellung, und es geht um Beziehungen, um Geborgenheit und um Nähe, so die Kunsthistorikerin Gabriele Schickel. Tiere und Kinder sowie Motive aus der Kindheit sind Verbildlichungen unverfälschter Emotionen. Aha.

Große Formate hängen da, mit wunderschön starken Farben. Der Stil ist expressiv. De Munyck arbeitet mit der Mischform Acryl und Öl. In jedem der 14 ausgestellten Bilder finden sich Motive von abstrakten Hunden, Bären und zwitterartigen Gesichtern, die in virtuellen Räumen schweben. Es gibt nichts Frustrierenderes, als tolle Bilder vor Augen zu haben, sie aber dann nicht hervorholen zu können, sagt de Muynck. So fing sie an, sich selbst in Trance zu versetzen, um dann im bewußten Zustand ihre inneren Bilder skizzieren zu können. Rita de Muynck ist seit 1991 Lehrbeauftragte für Trance und Malerei an der Universität München. Traumbegeisterte Studenten werden von ihr jeweils eineinhalb Stunden in Hypnose versetzt, um fünf Tage lang Bilder aus ihrem Unterbewußtsein zu holen. Daß Hypnose nichts mit Zauberei zu tun hat, sondern eher mit weltlichen Gefühlen, beschreibt eine Studentin, die anfangs glaubte, sie säße bloß einmal mehr in einer langweiligen Vorlesung .

So genießt der Betrachter diese merkwürdig schönen Traummotive und könnte sich diesmal sogar mit dem fernen Raunen der Wiesn anfreunden, denn warum zweifeln wir nicht, ob unser Denken und Handeln nicht eine andere Art von Träumen ist (Montaigne). Und vielleicht ist ja dann das Oktoberfest nichts anderes als eine riesige Performance

Clarissa Ruge, Süddeutsche Zeitung, Nr. 221, September 1996

Seiten

item1